11.02.2012

Brasilien will arme Bevölkerung mit Mobiltelefonen ausrüsten

12.11.2009 von Mtn · Artikel kommentieren 

Staatliche Unterstützung kann bekanntlich in vielen verschiedenen Formen vorgenommen werden. Neben finanzieller Hilfe für die armen Menschen in der Bevölkerung wählt man nun Brasilien eine ganz besondere Weise, um die Menschen mit geringen finanziellen Möglichkeiten endlich ebenfalls ins moderne Zeitalter eintreten zu lassen. Hélio Costa, seines Zeichens Kommunikationsminister Brasiliens, kündigte nun Maßnahmen an, die im Bereich der Telekommunikation große Schritte zur stärkeren Verbreitung von Festnetz-Telefonanschlüssen bewirken könnten.

Noch immer verfügen viele Familien nicht über einen eigenen Telefonanschluss, um für den Ernstfall Hilfe rufen zu können. Costa geht jedoch noch weiter mit seiner geplanten Kommunikationsoffensive. Fast 12 Millionen brasilianische Familien will der Minister in den kommenden Monaten mit Handys ausrüsten. Zum Teil will man diese Aktion mit Mitteln aus dem staatlichen Programm Bolsa Familial finanzieren. Bezahlen sollen die bedürftigen Brasilianer für ihr eigenes Handy nichts.

Vielmehr sollen die Familien sogar zusätzlich umgerechnet 2,7 Euro vom Staat erhalten, um die monatlichen Kosten für die Mobilfunknutzung erbringen zu können. Infolge dieser Maßnahme könnte der Mehrverbrauch vonseiten der Familien die Mobilfunkbetreiber mit höheren Ausgaben für SMS und Telefonate unterstützen. Die Betreiber sollen nämlich für die Bereitstellung der Handys sorgen. Die ersten drei Betreiber sollen laut dem Minister bereits grünes Licht gegeben haben.

Möglich scheint eine Gegenfinanzierung der entstehenden für die Anbieter auch in Form von steuerlichen Vergünstigungen. Nicht alle Politiker in Brasilien stehen hinter den Vorstellungen im Bereich des Mobilfunks, die vom Kommunikationsminister in die Wege geleitet werden. Angesichts der vielerorts in Brasilien nach wie vor dramatischen medizinischen Unterversorgung und der erheblichen Armut der Menschen in den brasilianischen Slums halten viele Gegner der Pläne das Fehlen von Handys bei den Armen im Lande für das denkbar kleinste Problem Brasiliens.

Costa hingegen hält an seiner Vision fest, die unter dem Namen Bolsa Celular für Menschen gedacht ist, die wegen eines Monatseinkommens unter der Grenze von 55 Euro Anspruch auf die brasilianische Armenhilfe haben. Die Regierung plant für die Dauer von zwei Jahren bei diesem neuen Mobilfunk-Großvorhaben Kosten in einem Umfang von umgerechnet etwa 780 Millionen Euro ein. Dass der Zeitpunkt ein Jahr vor den nächsten Wahlen wahlkampftechnisch gelegt worden sein soll, wird bei den Familien als Handy-Besitzer in spe vermutlich eher gleichgültig aufgefasst.

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